Erbrecht, Vorsorgerecht, Testament - Schnepper Melcher Rechtsanwälte in Freiburg

Einziehung des Erbscheins: Nicht bei ausgeräumten Zweifeln!

Ein erteilter Erbschein ist einzuziehen, wenn er unrichtig ist, d.h. wenn das Gericht das bezeugte Erbrecht aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht mehr als gegeben ansieht, wobei bloße Zweifel nicht genügen. Das hat das OLG München am 18.06.2020 entschieden.

Das Nachlassgericht kann einen bereits erteilten Erbschein nicht einziehen, wenn Zweifel an der eigenhändigen Errichtung des Testaments durch ein Sachverständigengutachten ausgeräumt wurden. Das ist dann der Fall, wenn der Gutachter zu dem Ergebnis kommt, dass sowohl der Text der Urkunde als auch die Unterschrift mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vom Erblasser stammen, was bedeutet, dass Zweifel an der Urheberschaft lediglich noch in einer Größenordnung von kleiner als 0,01 Prozent bestehen. Damit steht die Urheberschaft des Erblassers für die Verfügung mit einem für das praktische Leben brauchbaren Grad von Gewissheit fest.

(Beschluss des OLG München vom 18.06.2020, Az.: 31 Wx 553/19)